Die Rauschenberger Tracht:

Die Rauschenberger Tracht ist eine städtische evangelische Tracht, wie sie nur hier am Ort getragen wurde. Rauschenberg war somit eine Insel innerhalb des Gebietes der Marburger evangelischen bzw. katholischen Tracht. Die Entstehung unserer Tracht wird von Ferdinand Justi unter dem Einfluss des Biedermeier in den Anfang des 19. Jahrhunderts gesetzt. Tatsächlich weist die Tracht Elemente der damals herrschenden allgemeinen Mode auf. Andererseits finden sich Details wie der runde Ausschnitt und die Puffärmel auch schon im 17. Jahrhundert. Statt von der Entstehung sollte man wohl besser von der Prägung der Rauschenberger Tracht im Anfang des 19. Jahrhunderts sprechen. Aus Nachlassinventaren Rauschenberger Frauen, die noch aus der Zeit vor dem Biedermeier stammen, wissen wir, dass eine der Rauschenberger Tracht wohl ähnliche Frauentracht getragen wurde.

Die Frauen-Tracht:

Die Mädchen und Frauen der Trachtengruppe tragen entweder die Sonntagstracht, die aus dem "Kleid", d.h. Rock und farbig passender Jacke, dazu Schürze und Halstuch aus feinem Stoff sowie dem Rauschenberger Häubchen besteht, oder die Erntetracht, zu der Leibchen, ein Biber- oder leichter, grauer Wollrock mit Arbeitsschürze und Kopftuch, aber keine Jacke gehören. Zur sonstigen Arbeitstracht gehört noch eine einfache sogenannte Bettjacke. Älter Frauen trugen zur Sonntagstracht wahrscheinlich statt dem mit bunten Perlen bestickten weißen Häubchens ein schwarzes, wahrscheinlich mit weißen Perlen, das wir aber nur noch von alten Fotos und aus Aufzeichnungen kennen. Unbestickte schwarze Hauben waren vermutlich Trauerhauben. Das Museum in Rauschenberg besitzt ein solches Stück.

Die Männer-Tracht:

Die Sonntagstracht der Männer und Jungen besteht aus einem blauen Kittel, der in Rauschenberg nur mit einfachen schwarzen Hexen-, Kreuz- oder Schlingstichen bestickt wurde, zur schwarzen langen Tuchhose, graugrundiertem Halstuch und einer Schirmmütze. Vielleicht hat diese Männertracht ihr Vorbild in der provisorischen Uniform der Rauschenberger Bürgergarde von 1831, die aus einem blauen Kittel und einer dunklen Polizei- oder Militärmütze bestand. Als Erntetracht tragen die Männer und Jungen braune bzw. schwarze Arbeitshosen und weiße Leinenhemden.

Abendmahls- oder Hochzeitstracht:

Als Besonderheit zeigen wir bei manchen Gelegenheiten Abendmahls- oder Hochzeitstracht. Einige Mädchen tragen dann ein Schwarzes "Kleid" mit schwarzer Schürze und schwarzem Halstuch, die Männer den schwarzen Kirchrock ("Gehstehinnermich") und Zylinder.

 

Inzwischen mussten die meisten Trachtenteile nach genäht werden, da die Originalteile zerschlissen oder einfach die benötigte Menge nicht mehr vorhanden war. Wir bemühen uns um weitgehende Originalität, besonders auch um die althergebrachten gedeckten Farben der Kleidung, dunkelblau, dunkelgrün, grau, braun oder weinrot sowie schwarz für Hochzeit, Abendmahl und Trauer.

 


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